#2 Aus dem Leben einer Endoprinzessin

IMG_4841Ein Mensch muss im Leben immer einen langfristigen Plan haben. Ziele. Strategien. Von mir aus eine Lebensabschnittschallenge. Doch ich hab das verloren. Dieses langfristige. Dieses Quartals-denken. Ich hab das verloren. Aus Eigenschutz.

Heute war wieder mal einer dieser Tage wo Liebe und Schmerz aufeinandertreffen. Meine Nacht war noch einigermaßen ok. Mein Morgen dafür ein Gruß aus der Hölle. Periodentime – the same procedure as every month. Ich hatte das Gefühl mein Becken verbrennt. Noch schnell eine Banane verdrückt, damit die Schmerztablette nicht auf nüchternen Magen schlägt – hoffte ich einfach, das es so schnell wie möglich aufhört. Es musste aufhören.

Dieser Schmerz schoss durch meinen ganzen Körper. An der Wirbelsäule entlang. Schnürrte mir die Luft zum atmen. Lähmte meine Gedanken. Meinen Körper. Ich konnte weder gehen – sitzen – liegen bzw. überhaupt darüber nachdenken. Es schmerzte zu sehr, um weinen zu können.

Nach ca. einer Stunde beruhigte ich mich und die Schmerztablette machte ihren Job. Zum Glück & sogar für diesen Mist bin ich noch dankbar. Über dieses kleine weiße Stück Gift. Wir machten uns bewaffnet mit Wärmflasche – Wasser – Schmerztabletten – viel Durchhaltevermögen und Zwischenstopps, auf den Weg zu meiner lieben Familie. Meine eigene Geburtstagsfeier mit meinen Liebsten zu verpassen, wäre noch schmerzhafter gewesen als die Schmerzattacke selbst. Mein Tag lief gut. Mit 3 Schmerztabletten intus und dem Besten Endometriose-freundlichen Geburtstagskuchen von meiner Schwägerin.

Auf dem Nachhauseweg fiel es mir auf. Ich hab etwas verlernt. Vergessen. Dieses langfristige. Mir Sorgen und Gedanken über mein Leben zu machen. Als chronische Schmerzpatientin macht mir mein Leben keine Sorgen mehr. Ich überlebe mehr, als tatsächlich zu leben. Es ist der Moment der mich schwach macht, um noch stärker zu werden. Aber wann lebe ich wieder für mich und nicht für die Endometriose? Lebe ich im Moment? Überlebe ich nur? Ist das jetzt mein Leben?

Ich mache mir keine Sorgen mehr über den Erwachsenen-scheiß. Ich mache mir Sorgen um das was ich JETZT verpasse. Wann hört das auf? Wann hört es auf morgens aufzuwachen und nach einer neuen Therapie zu suchen, die endlich mehr als nur eine Linderung verschafft. 

Meine Ernährungsumstellung hilft mir, zu deutlich weniger Schmerzen und meinen Körper gegen diese stark genug zu machen. Mein Yoga hilft mir, das atmen dabei nicht zu vergessen und dankbar für die kleinen Dinge im Leben zu sein. Mein Hund Bobby und Sport helfen mir, meine Schmerzen für einen Moment vergessen zu können. Mein Freund, meine Familie und Freunde helfen mir, mich geliebt zu fühlen. Mich zu akzeptieren, sowie ich bin.

Aber was hilft mir dagegen, nicht das Gefühl zu haben mein eigenes Leben zu verpassen? Mein Jugendhaftes auszuleben. Durchs Leben zu hüpfen, als wäre jeder Schritt aus Zuckerwatte. Das macht mir Sorgen. Ich akzeptiere meine Krankheit, voll und ganz. Glücklich bin auch auch. Meine Definition von Glück ist, glücklich über meine Familie und Mitmenschen. Glücklich darüber, wie weit ich es schon geschafft habe. Glücklich darüber, das es mir nicht schlechter geht.

Ich weiß das es kommt. Dieses Leben. Dieses schöne – schmerzfreie Leben. Aber an Tagen wie heute, hätte ich gerne ein Datum dafür. Mir reicht auch nur die Jahreszahl.

An Tagen wie diesen – an Tagen wo Schmerz und Liebe aufeinandertreffen, ist es schwer bei klarem Verstand zu bleiben. Es heißt immer, die Gesundheit ist am wichtigsten. Für mich heißt es, durchzuhalten ist am wichtigsten. Denn gesund werde ich nicht mehr.

Ich werde durchhalten. Für mich und mein glückliches Leben.
& dann werde ich es erleben, wie es ist zurück zu sein. Stärker, zufriedener und glücklicher als jemals zuvor und dann, und dann werde ich es genießen, mehr als jeder andere auf dieser Welt.

& vergesst nie: Wir sind perfekt so wie wir sind. 
Eure Lisa. 

 

 

 

 

 

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