Schmerztherapie – nichts für Pussies.

IMG_4880Ich dachte mir bei meinem Leben nicht, dass das was jetzt kommt, kommen wird. Ich hab mein eigenes, mir versprochenes Versprechen gebrochen. Doch kein Versprechen der Welt ist es Wert zu leiden. Hoffentlich.

Da ich ja keine synthetischen Hormone vertrage, musste ich nach 2 monatiger Einnahme mit der Visanne aufhören. Zum Glück. Was dieses Miststück (mein persönliches, ich will es nicht verallgemeinern) bei mir auslöste schrieb ich ja bereits. Keine Hormone mehr für mich. Für diese Erkenntnis zahlte ich Lehrgeld, mehr als ausreichend. Somit fiel schon mal ein möglicher und wichtiger Therapieblock für mich weg. Denn die Hormonbehandlung ist ein wichtiger Bestandteil im Recovery-Prozess bei Endometriose – laut Lehrbuch.

Bloß meine Endometriose und ich – also wir – also ich als Mensch, mögen keine Lehrbücher. Mochten wir noch nie. Wir schwimmen auch nicht gerne mit dem Strom – wir lieben die Gegenstromanlage im Schwimmbecken viel mehr.

Aktuell mache ich vieles, um gegen die Schmerzen anzukämpfen. Doch mehr als eine Linderung erreichte ich noch nicht. Damit alleine möchte ich mich aber nicht mehr zufriedenstellen. Ich mein, wer will das schon? Auch wenn es heißt, das ich noch mehr Kompromisse eingehen muss. Als chronische Schmerzpatientin lerne ich, nicht mehr viel über Kompromisse nachzudenken. Ich will nur noch eins – zurück ins Leben und 26 Jahre alt sein. Egal wie.

Ich ernähre mich ausschließlich glutenfrei, ohne Zucker, keine Milchprodukte. Quasi Paleo. Aber manchmal mit einem Glas Wein oder Gin Tonic. Meine Ernährungsumstellung macht mir aber nichts aus. Im Gegenteil. Ich liebe es. Es tut mir gut. Nicht nur meiner Endometriose alleine. Aber manchmal ist mir das zu langweilig. Meistens auf Geburtstagspartys will ich mich nicht noch mehr krank fühlen, als ich es ohnehin schon bin. Ich bin gerne unter Leuten und manchmal eben lieber mit einem Glas Wein. Ob ich das dann die Tage darauf bereue? Mein Kopf nicht. Meine Endometriose ist die Heulsuse von uns zwei.

Zur Ernährung folgt eine Hormonbehandlung mit Progesteron. Bei mir in Form einer Creme und quasi keine Nebenwirkungen. Keine Nebenwirkungen mit voller Wirkung gibt’s meistens nur in den Pharmawerbungen. Meine Hormonbehandlung hat mir Linderung verschafft – das kann ich unterschreiben ohne rot zu werden. Ich bekomme „zwar“ regelmäßig meine Periode, was für eine Endometrioseprinzessin bedeutet mit dem Teufel zu tanzen, aber meine Unterleibsschmerzen außerhalb der Periode wurden leichter. Mit leichter gab ich mich bisher zufrieden. Was eigentlich erschreckend ist. Denn von annehmbar, bin ich noch weit entfernt. Aber Frau wird leiser, nach langem Leiden und schneller „zufriedener“. Denn alles ist besser als vorher.

Zusätzlich zur Hormonbehandlung & Ernährung bewege ich mich viel. Sei es Wandern, Spazieren gehen, Workout oder Yoga. Je nachdem was mir gerade möglich ist. Hilft immer, vor allem meinem Kopf.

Durch meine Zeit die ich jetzt Zuhause verbringen „darf“, wurde ich abenteuerlustiger 🙂 und mutiger und gieriger. Ich wollte mehr, wusste aber nicht wie. Das Schicksal schickte mir dann ein zweites Ich. Nur in Blond. Wir schrieben viel miteinander und trafen uns schließlich. Denn diese „Positivitätsbombe“ inkl. Sonnenscheinstatus, hatte nicht nur den gleichen Namen wie ich, sie kam auch aus meiner Umgebung.

Wir mussten bzw. ich durfte viel mehr feststellen, das diese Frau meine Rettung ist. Sie schrieb meine Geschichte. Bloß war sie bereits am Schlussteil angelangt und darf sich bereits auf einen schönen Abschluss stürzen. Ich hingegen, bin noch am spannendsten Teil des Buches. Im Mittelteil. Wo Charaktere noch geformt und Buchtitel noch nachkorrigiert werden.

Wir erzählten uns alles, wirklich alles. So viel wahres, schlechtes und schreckliches hab ich noch nie jemanden bei meiner ersten Begegnung erzählt. Doch ich wusste, wenn nicht ihr, dann niemanden. Sie beschrieb mir ihre Schmerzen. Ich meine. Am Ende kam das gleiche raus. Sie teilte mit mir ihre Gedanken, ich meine. Ich spürte es, diese Frau hat mir auf meinem Weg zurück ins Leben noch gefehlt & genau dieser Sonnenschein hat mir die Angst davor genommen, meinen nächsten Schritt zu wagen.

Sie erzählte mir von ihrer Schmerztherapie. Ich wusste, mein Schmerztherapeut hängt mir schon seit Dezember damit in den Ohren, doch ich wollte nichts davon hören. Diese Tabletten machten mir Angst. Doch die Lisa gab mir mehr Mut als mir die Tabletten Angst machten. Auf einmal saßen wir schon im Sprechzimmer von meinem Schmerztherapeut, der sich über meinen Sinneswandel wunderte. Und ja, mit wir meinte ich die Lisa und mich. Sie begleitete mich und war an meiner Seite. Hatte ihre Unterlagen dabei und zeigte ihm ihren Stand der Dinge.

Und nun, bin ich schon bei Tag 4 angelangt und endlich wieder mal in der Lage ein bisschen zu schreiben. Ich will euch nämlich nichts verheimlichen. Ich bin müde. Sehr, sehr müde. Aber auf das wurde ich vorbereitet. Die ersten Tage sind kein Zuckerschlecken. Am Montag Abend ging es los. Dienstag wachte ich zwar bereits früh am Morgen auf, auf die Couch geschafft hab ich’s dann erst zu Mittag. Von der Couch ins Bett ging’s dann am Abend wieder. Was in der Zwischenzeit war, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Bestimmt nichts aufregendes. Hoffe ich mal. Ansonsten hab ich’s vergessen. Ich fühlte mich wie ferngesteuert, als würde ich selber von mir in der 2. Person sprechen. Ich fühlte mich wie überfahren, mit einem Traktor der einen Traktor als Anhänger mit dabei hatte. Meine Feinmotorik war verschwunden. Kleine Sachen wie eine Haarspange, Münzen oder ähnliches konnte ich nicht richtig greifen & ich fing wieder an Kaffee zu trinken. Ob der was bringt oder nicht weiß ich nicht, aber niemand möge den Placeboeffekt unterschätzen.

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Das „witzige“ dabei ist, der Zustand selbst macht mir keine Angst. Wie denn auch. Ich bin ja immer noch zu benebelt um Autofahren zu dürfen. Aber die Tatsache, das es vielleicht umsonst ist, holte mich ein paar mal ein und überkam mich. Denn ich probierte schon so vieles, erfolglos. Ich möchte nur eines, ich will schmerzfrei sein. Egal wie, warum oder wann. Ich weiß, das diese Krankheit unheilbar ist. Heißt aber nicht das ich frei von Schmerzen sein kann, auch wenn ich eigentlich nur mein eigenes Schmerzgedächtnis damit austrickse.

Ja, liebe Endometriose. Soweit hast du mich gebracht. Ich dachte mich bereits genug verändert zu haben. Ich wollte meinem Körper so etwas nie antun. Doch ich kam zu dem Punkt wo es kein Richtig und kein Falsch mehr gibt. Ich bin zu jung, um mein Leben lang Schmerzen zu haben. Jeder Mensch ist zu jung und zu wundervoll dafür. Mein Körper muss sich erholen vom letzten Jahr. Erholen von den Schmerzen. Erholen von der Endometriose. Ich hatte es versucht zu vermeiden. Aber mein Schweregrad ließ es nicht zu.

Gute Dinge brauchen Zeit, tolle Dinge ca. 2-3 Wochen. Dann sollte ich spüren, ob sich an meinem Schmerzzustand was ändert. Wenn nicht, wird die Dosis erhöht. Bis dahin müssten sich auch meine Nebenwirkungen gelegt haben und ich bin wieder Alltags-tauglich.

Ich werde euch natürlich mitnehmen, auf meiner Reise. Ich glaube ganz fest daran. Ich sehe es bereits. Mein Lächeln, wenn ich auf der Couch liege und merke wie es leichter wird. Mein Leben.

PS: Lisa, Danke. Danke das es Dich gibt. Ohne Dich hätte ich die Chance, auf ein hoffentlich schmerzfreies Leben verpasst.

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& vergesst nie: Wir sind perfekt so wie wir sind!
Eure Lisa. 

 

 

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