Die Wärmflasche als neuen Superhelden-Umhang

fsss

Mich hat gestern eine Freundin gefragt: „Wie machst du das. Wie hältst du das bloß so lange aus? Tja, was denkt ihr, hab ich ihr geantwortet? Ich mach es einfach. Von Tag zu Tag. Jeden Tag aufs Neue.

Danach ging der Kopffasching los. Wie mach ich das wirklich? Wird Mensch darauf trainiert, sich an alles zu gewöhnen? Wie machen das Frauen mit Kindern? Wie geht es Frauen, die sich keine Auszeit vom Job nehmen können?

Meine Schmerztherapie ist im Moment so weit, das mir wenigstens dieser zerrende, starke, permanente Unterleibsschmerz genommen werden konnte. Ich habe wieder einen Alltag. Einen Alltag, manchmal sogar für ein paar Stunden ohne Endometriose. Ohne Gedanken an neue Therapieansätze, Krankenhäuser und Ärzte. Ohne Wärmflasche, TensUnit (wenn auch immer in meiner Handtasche), Jogginghose und ohne ständig gefragt zu werden „Geht’s eh?“.

Langsam aber sicher erkämpf ich mir meinen Alltag zurück. Aber zurückkommen werde ich nie. Die Lisa vor der Endometriose, diese Lisa werde ich nie mehr sein. Menschen wachsen durch Erfahrungen und verändern sich durch’s Leben.

Also, wer bin ich nun? Wer will ich sein? Würde ich auch ohne Endometriose so sein wollen? Nein. Bestimmt nicht. Aber es ist nun mal so. Ich werde mit ihr nie „Freundschaft“ schließen, mit meinem Körper ja, natürlich – die Beste die es gibt. Aber die Endometriose hatte ich nie eingeladen. „I mags zwar net, aber i aktzeptier’s“. Dieser Prozess wird niemals enden. Akzeptanz ist nach Selbstliebe eines der wichtigsten Schritte im Leben eines chronischen Schmerzpatienten, meinem Gefühl nach.

Ich akzeptiere, chronische Schmerzpatientin zu sein. Ich akzeptiere, mich durch diese schwere Zeit verändert zu haben. Ich akzeptiere, vielleicht nie wieder zu spüren wie es ist, komplett schmerzfrei zu sein. Ich akzeptiere die Nebenwirkungen durch die Schmerztherapie und den bitteren Beigeschmack, oft in fragende Gesichter zu blicken.

Was ich nicht akzeptiere ist, als chronischer Schmerzpatient kein schönes und erfüllendes Leben haben zu können. Denn das gibt es. Auch für uns. Wir müssen bloß mehr und länger dafür kämpfen und dann ganz genau hinsehen, um es dann umso mehr zu genießen und zu schätzen. Was ich auch nie akzeptieren werde ist Unverständnis. Das keiner nachvollziehen kann was ich durchmache ist ok & zum Glück ist das so. Aber ich muss nicht verstehen, um für jemanden da zu sein und ihm meinen Glauben zu schenken.

Ich habe Akzeptiert krank zu sein. Ich habe akzeptiert, dadurch überlegener, ruhiger und fokussierter geworden zu sein. Ich habe akzeptiert, das ich dafür ausgesucht worden bin. (Warum weiß ich nicht, muss ich aber auch nicht wissen, der Grund kann nur scheiße sein. 😀 )

Ich bin chronische Schmerzpatientin und würde trotzdem mit niemanden mein Leben tauschen wollen. Klingt heftig oder? Ohne Endometriose wäre ich nicht die, die ich heute bin. Was schade wäre, denn ich find dieses neue alte Ich ziemlich lässig & das sollte sich jeder zugestehen.

Was also andere können, kann ich auch. Manchmal halt mit umgeschnallter Wärmflasche oder im Medikamentenmodus. Aber ich kann es, und nur das zählt.

Also, auf auf mit Euch. Kein Traum der Welt darf durch eine Krankheit unerfüllt bleiben. Akzeptiert euch, liebt euch, schmeißt den Teekocher an schnallt euch die Wärmflasche um, das Leben wartet!

& vergesst nie: Wir sind perfekt so wie wir sind. 
Eure Lisa. 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s