Der Arzttermin meines Lebens.

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Das war was. Ich habe jetzt einige Tage gebraucht um diesen Termin in meinem Kopf zu sortieren. Um mich zu sammeln, neu zu orientieren.

Ich war wahnsinnig nervös vor dem Termin. Ich wusste das dieser Termin wichtig ist, egal was passiert. Dr. Keckstein ist einer der besten Ärzte, schulmedizinisch aber auch zwischenmenschlich, die ich jemals treffen durfte. Auch wenn nicht das raus gekommen ist, das ich erhoffte. Aus einem vorgesehenen 40 Minuten Termin wurden 1,5 Stunden.

Er las sich zu Beginn in aller Ruhe meinen OP Bericht durch. Mein Herz flog mir fast durch die Schädeldecke. Meine Hoffnung auf eine einfache und plausible Erklärung auf ALL meine Beschwerden war außerirdisch. Doch mit nur einem Satz, wurde mir diese zerstört.

In Linz trimmten mich die Ärzten auf eine 2. OP, sobald wie möglich. Doch ich fand keinen Arzt der mir kompetent genug erschien, diese durchzuführen. Deshalb machte ich mich auf dem Weg nach Villach.

„Ich werde sie nicht operieren. Ich sehe dazu keinen Grund, sie den Risiken einer OP auszusetzen“. Wait, whhhaaaaaaat? Ich fiel aus allen Wolken, kurz aus Erleichterung und kurz aus kompletter Verwirrung. „Die Ärzte in Linz haben gute Arbeit geleistet“. Das was übrig geblieben ist an Endometriose, bekomme auch ich nicht aus ihnen raus“. Desweiteren wurde festgestellt das ich die Endometriose auch in der Gebärmuttermuskulatur habe, heißt, diese Schmerzen kann mir keiner nehmen. Außer ich würde sie entfernen lassen. (Was ich auf keinen Fall machen werde).

Dr. Keckstein meinte, das meine aktuellen Schmerzen auf der einen Seite nicht zu ändern sind (wegen Adenomyose) und auf der anderen Seite nicht zum OP Bericht passen. Das Brennen zwischen den Füßen, manchmal so starke Schmerzen zu haben das ich keine Jeans oder enge Sachen anziehen kann, gehört nicht zur Endometriose. Meine Blasenschmerzen, das Gefühl sie nicht richtig entleeren zu können, kommt laut seiner Meinung auch nicht von der Endo. Da nichts im OP Bericht darüber steht. Klar, das kann jetzt heißen das entweder nicht nachgesehen wurde, etwas übersehen wurde, oder das dort tatsächlich nichts ist. Aber nur um dies abzuchecken, haut er mich in keine Vollnarkose.

Meine Hoffnung, eine „simple“ Erklärung auf all meine Beschwerden zu bekommen, war nun futsch. Zerplatzt und eingegraben. Ich fing an zu weinen. Natürlich. Ich Sensibelchen konnte das nicht auf Anhieb verarbeiten. Ich fühlte mich wieder einmal alleine gelassen. Fehl am Platz, unverstanden und verwirrt. Doch all das, wollte dieser Arzt nicht auf sich beruhen lassen. Er untersuchte mich, fragte mich tausend Sachen und wollte unbedingt einen Weg finden, wie er mich trotz allem zufrieden nach Hause schicken konnte.

Er meinte, das ich mehrere Baustellen habe. Diese gehören ganzheitlich betrachtet. Nicht einzeln. Nun gut, was machen wir jetzt?

Er empfiehlt mir,

  • TCM
  • Osteopathie
  • Sexualtherapie
  • Pille

Ich bekam einen Kontakt in München, von einer Ärztin die sich auf TCM in Kombination mit Hypnose und psychosomatische Schmerzen spezialisiert hat. Ich werde mit Beginn nächsten Jahres an einer Studie teilnehmen. Diese Ärztin versucht einen neuen Therapie Ansatz zu finden. Teil eines solcher Studie zu sein, heißt für mich eine neue Erfahrung und Eindrücke. Also gut.

Einen TCM Praktiker werde ich mir suchen. Das wollte ich sowieso. Jetzt aber dann wirklich.

Sexualtherapie. Wie recht er hatte. Die ganzen Schmerzen, ohne Sex, beim Sex, trieben mich in einen Teufelskreis. Ja, es stimmt. Diesem Thema, das eigentlich komplett natürlich und schön sein sollte, stehe ich sehr schmerzhaft gegenüber. Ich weiß selbst nicht ob es mir etwas bringt. Aber ich werde es auf jeden Fall versuchen und bestimmt etwas daraus lernen.

Die Pille. Tja, schweres Stück Tobak für mich. Ich hatte in der Vergangenheit schon 3 verschiedene Pillen versucht. Jede trieb mich psychisch in die Hölle. Dr. Keckstein meinte zwar, das er mir keine von diesen 3 Pillen verschrieben hätte. Er hörte es auch zum ersten Mal das jemand eine Schmerztherapie braucht, weil er die Pille nicht verträgt. Seine Patientinnen scheinen Pillen resistent zu sein. Ob ich nun eine 4. probiere? Weiß ich noch nicht. Aber ich hab noch fast einen ganzen Zyklus dafür Zeit.

Also, das war es nun. Vorerst keine OP. Ich sollte es zuerst auf diesem Weg versuchen und mich dann nochmal bei ihm melden. Keine simple Lösung auf meine vereinzelten Beschwerden. Die Endometriose ist also nicht an allem Schuld. Ich war hoffnungslos verzweifelt. Meine ganz Welt wurde einmal umgedreht und angehalten. Ich fühlte mich, als wäre ich wieder ganz am Anfang. Mehrere Baustellen? Komm schon liebes Leben, eine scheiß Baustelle pro Mensch sollte reichen.

Ich weinte mir die Seele aus dem Leib. Ich war am Boden zerstört und bekam nur noch schwer Luft. Weitersuchen. Weitermachen. Ich hatte keine Kraft dafür.

Was mir dieser Termin gebracht hat? Sah ich erst nach 2 Tagen Verarbeitung. Dr. Keckstein und eine Gehirnwäsche. Er hat alles auf den Punkt gebracht. Ach wenn es heißt, das ich jetzt zugeben muss, das ich mich auf meinem Arsch ausgeruht hatte. Ich hatte seit Beginn der Schmerztherapie aufgehört weiterzumachen. Ich hatte mich darauf verlassen, das ich einfach einen Spezialisten finden werde, der all meine Probleme für mich regelt. UND DAS IST KOMPLETTER BULLSHIT. Wir sind für uns selbst verantwortlich. Für unser Leben. Diese Verantwortung kann kein anderer übernehmen. Kein Spezialist. Keine OP.

Ich hatte mich jetzt einige Tage unsichtbar gemacht. Die hatte ich gebraucht um zu checken was eigentlich genau passiert ist. Dieser Arzt hat mich erreicht. Er hat mich auf irgendeine schräge Art und Weise persönlich getroffen. Freundlich. Direkt und ehrlich. Er ist auf keinen Profit aus. Er macht keine OP des Geldes wegen. Auch wenn er mir nicht das gebracht hat, was ich mir gewünscht hatte. Das war der ehrlichste und aufschlussreichste Termin den ich jemals hatte. Ich empfehle, jeder wirklich jeder Endometriose-Patientin dorthin zu gehen.

Meine Suche nach Erklärungen ist noch nicht zu Ende. Meine Reise geht weiter. Ich werde euch mitnehmen. Alles mit euch teilen. Ich werde versuchen, meine chronischen Schmerzen nun ganzheitlich zu betrachten. Auf eine andere Art und Weise erkunden.

Ich hab das Gefühl, das meine nächsten Monate sehr wichtig werden für mein Leben. Etwas zurückgezogener und fokussierter. Ruhiger und direkter. Es wird sich etwas verändern. Das spüre ich. ❤

& vergesst nie: „Wir sind perfekt so wie wir sind“.
Eure Lisa.

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Der Arzttermin meines Lebens.

  1. Petra schreibt:

    Hi Lisa,

    alles Gute wünsche ich dir! Ich finde deinen blog sehr gut!

    Ich persönlich gehöre glücklicherweise zu den Frauen, die trotz Endometriose fast gar keine Schmerzen haben.

    Aber neulich habe ich mal ein Video gesehen, dass dich vll. auch interessieren könnte, da geht es auch um Schmerzen:

    Da geht es (und auch in den Kommentaren) auch um das Thema Krankheit als Wegweiser usw. und es gibt Buch-Tipps.

    Wobei man den psychischen Aspekt bei den meisten Erkrankungen meiner Meinung nach auch nicht absolut überbewerten sollte; aber ihn im Hinterkopf zu haben ist schon sehr gut!
    Nur sollte man sich dadurch nicht schuldig fühlen o.ä.

    Also weiterhin alles alles Gute!!

    Petra

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    • Lisa-Maria schreibt:

      Liebe Petra,
      vielen Dank für deinen Link. Werde ich mir gleich mal ansehen. Und JA, ich gebe dir absolut recht. Wie so oft im Leben ist die Balance am wichtigsten. Körper und Seele ganzheitlich zu betrachten ist ein ganz wichtiger Baustein in meinem Leben.
      Alles Liebe auch Dir weiterhin, und es freut mich zu hören, das dir die Endometriose zum Glück „fast keine“ Schmerzen bereitet.
      Lisa

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